Mehr Meer

Erst mit Eitempera, dann mit Öl auf Leinwand gemalt, soll an einem Tag ein Meeresbild vor Publikum entstehen.

Bei den Meeresbildern von Irene Kress-Schmidt spürt man die unterschwellige Angst, den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert zu sein. Der Mensch möchte sich seiner Umwelt annähern, nimmt sie aber nicht mal mehr bewusst wahr.

Die gebrochenen Farben der Meereslandschaften zeigen keine Idylle, lassen aber an einen Zwiespalt denken: als Einzelner steht man zwar ohnmächtig gegenüber den Naturgewalten, die Menschheit hat aber schon längst einen verheerenden Einfluss auf das große Ganze genommen.

Die Maltechnik unterstützt die etwas düstere Wirkung, weil die Figurenmalerei in Öl wie ein Fremdkörper gegenüber der mageren Eitempera- Landschaft wirkt.

Diese Technik kommt der minimalistischen Arbeitsweise der Künstlerin entgegen. Um eine homogene Fläche zu schaffen, entstehen die Landschaften so zügig wie bei einem Aquarell. Die freigelassenen Bildpartien werden dabei in die Gestaltung miteinbezogen, bilden die Wellen und deren Ausläufe.

Eine Wahrnehmungspsychologische Wirkung im Nebeneffekt:

Im Verlauf der Arbeit werden vorher durchwegs matte Eitemperafarben an manchen Bildpartien durchsichtig oder fangen zu leuchten an. So  etwa die mittlere Bildpartie des Werkes „Fernbeziehung“.